Die gesetzliche Rente allein wird für viele Menschen im Alter kaum ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Umso wichtiger ist es, frühzeitig privat vorzusorgen. Das klingt nach Verzicht und komplizierten Entscheidungen, doch der wichtigste Verbündete ist simpel und mächtig zugleich: der Zinseszins. Wer versteht, wie aus kleinen Beträgen über lange Zeiträume beträchtliche Summen werden, versteht das Geheimnis erfolgreicher Altersvorsorge. Zeit ist dabei wertvoller als der monatliche Betrag.
Der Zinseszins beschreibt den Effekt, dass Erträge wieder angelegt werden und dadurch selbst Erträge erwirtschaften. Ein Beispiel: Wer 100 Euro zu fünf Prozent anlegt, hat nach einem Jahr 105 Euro. Im zweiten Jahr erhält er Zinsen nicht nur auf 100, sondern auf 105 Euro. Über Jahrzehnte entsteht so ein exponentieller Zuwachs. Aus 100 Euro pro Monat können bei einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent über dreißig Jahre über 100.000 Euro werden – obwohl nur 36.000 Euro eingezahlt wurden. Der Zinseszins arbeitet still im Hintergrund und belohnt alle, die ihm Zeit geben.
Der frühe Einstieg ist deshalb der größte Hebel. Je länger das Geld für den Anleger arbeitet, desto stärker wirkt der Zinseszins. Wer mit 25 beginnt, muss deutlich weniger pro Monat zurücklegen als jemand, der erst mit 45 startet, um am Ende auf denselben Betrag zu kommen. Ein später Start lässt sich kaum durch höhere Sparraten ausgleichen. Deshalb lohnt es sich, auch mit kleinen Beträgen früh zu beginnen, statt auf den perfekten Zeitpunkt oder ein höheres Einkommen zu warten. Der beste Zeitpunkt für den Start ist heute.
Die Wahl der passenden Anlageform hängt vom Alter und der Risikobereitschaft ab. Wer jung ist und noch viele Jahre bis zur Rente hat, kann einen hohen Anteil in renditestarke, aber schwankende Anlagen wie Aktien-ETFs investieren. Die Schwankungen sind über lange Zeiträume verkraftbar und die Renditeaussichten deutlich besser als bei sicheren Anlagen. Mit zunehmendem Alter sollte der Anteil schwankender Anlagen sinken und der Anteil sicherer Bausteine wie Anleihen oder Tagesgeld steigen. So wird das Vermögen kurz vor dem Ruhestand vor starken Verlusten geschützt.
